Vom Antrag zum Bescheid in fünf Schritten
Antrag stellen — heute
Anruf bei der Pflegekasse (bei der Krankenkasse) genügt. Leistungen gelten ab Antragstag. Wer im Krankenhaus liegt, lässt den Sozialdienst den Antrag stellen.
Pflegetagebuch führen
Zwei Wochen lang notieren, wobei und wie oft Hilfe nötig ist — auch nachts. Das ist Ihr wichtigstes Dokument beim Hausbesuch. Vorlage unten.
Unterlagen sammeln
Arztberichte, Entlassbriefe, Medikamentenplan, Hilfsmittelliste, Schwerbehindertenausweis, Berichte von Pflegedienst oder Therapeuten.
Hausbesuch des MD
Der Medizinische Dienst (bei Privatversicherten Medicproof) kündigt sich schriftlich an. Dauer 45–90 Minuten. Angehöriger oder Pflegeperson sollte dabei sein.
Bescheid prüfen
Innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antrag. Gutachten anfordern, Punkte je Modul prüfen, bei Bedarf innerhalb eines Monats Widerspruch.
Die sechs Module — und wie sie gewichtet werden
Seit 2017 zählt nicht mehr die Minutenzahl der Hilfe, sondern der Grad der Selbstständigkeit. Der Gutachter bewertet sechs Lebensbereiche mit Punkten; die Module fließen unterschiedlich stark in den Gesamtwert ein.
| Modul | Was bewertet wird | Gewicht |
|---|---|---|
| 1 Mobilität | Aufstehen, Umsetzen, Gehen in der Wohnung, Treppensteigen, Lagewechsel im Bett | 10 % |
| 2 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten | Orientierung, Erkennen von Personen, Entscheidungen treffen, Gespräche führen | 15 % (das höhere von Modul 2 und 3) |
| 3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen | Unruhe, nächtliche Aktivität, Abwehr von Pflege, Ängste, Antriebslosigkeit | |
| 4 Selbstversorgung | Waschen, Duschen, Anziehen, Essen, Trinken, Toilette, Inkontinenz | 40 % |
| 5 Umgang mit krankheitsbedingten Anforderungen | Medikamente, Injektionen, Verbände, Arztbesuche, Diäten, Therapien | 20 % |
| 6 Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte | Tagesablauf planen, Beschäftigung, Kontakte pflegen, Ruhen und Schlafen | 15 % |
| Pflegegrad | Punkte | Pflegegeld 2026 | Sachleistungen ambulant |
|---|---|---|---|
| PG 1 | 12,5 – < 27 | — (Entlastungsbetrag 131 €) | — |
| PG 2 | 27 – < 47,5 | 347 € | 796 € |
| PG 3 | 47,5 – < 70 | 599 € | 1.497 € |
| PG 4 | 70 – < 90 | 800 € | 1.859 € |
| PG 5 | 90 – 100 | 990 € | 2.299 € |
Alle Leistungen je Pflegegrad im Detail: Pflegegrade 1–5 und Pflegeleistungen 2026.
Das Pflegetagebuch: die Vorlage, die Gutachter ernst nehmen
Leitfaden mit Pflegetagebuch-Vorlage als PDF herunterladen — zum Ausdrucken, ohne Anmeldung.
Schreiben Sie zwei Wochen lang jeden Tag auf, wobei Hilfe nötig war — nicht nur „Hilfe beim Waschen“, sondern konkret: „Kann den Rücken nicht selbst waschen, braucht Hilfe beim Aussteigen aus der Dusche, zweimal fast gestürzt.“ Notieren Sie auch, was Sie abnehmen, weil es sonst nicht passiert (Medikamente richten, an Trinken erinnern), und nächtliche Hilfen.
Spalten für jeden Tag
- Uhrzeit und Tätigkeit (z. B. 7:15 Aufstehen, Waschen, Anziehen)
- Was kann die Person selbst, was nicht?
- Art der Hilfe: Anleitung, Teilübernahme, vollständige Übernahme
- Besonderheiten: Abwehr, Verwirrtheit, Schmerzen, Sturz
- Nacht: wie oft auf, warum, wer hilft
Ein guter Tag ist ein schlechter Tag
Der Gutachter sieht eine Momentaufnahme. Viele Ältere reißen sich beim Besuch zusammen — „Das kann ich alles noch!“ — und werden zu niedrig eingestuft. Beschreiben Sie den Alltag so, wie er an den meisten Tagen ist, nicht wie am besten Tag. Das ist keine Übertreibung, sondern Genauigkeit.
Die häufigsten Fehler beim Hausbesuch
- Die pflegebedürftige Person allein mit dem Gutachter lassen — immer jemand dabei, der den Alltag kennt
- Vorher aufräumen, frisch anziehen, alles herrichten — der Gutachter soll die Realität sehen
- Fragen aus Stolz beschönigen („Das geht schon“) — nachfragen: „Und wie lange dauert es, und was passiert, wenn niemand hilft?“
- Demenz-Symptome unterschätzen: Module 2 und 3 werden oft zu niedrig bewertet, weil die Person im Gespräch „fit“ wirkt
- Keine Unterlagen bereitlegen — Arztberichte und Medikamentenplan gehören auf den Tisch
- Das Gutachten nach dem Bescheid nicht anfordern — nur dort sehen Sie die Punkte je Modul
Widerspruch und Höherstufung
Ist der Pflegegrad zu niedrig oder abgelehnt, haben Sie einen Monat Zeit für den Widerspruch — zunächst formlos („Hiermit lege ich Widerspruch ein, Begründung folgt“), dann mit Gutachten, Pflegetagebuch und Befunden begründen. Rund ein Drittel der Widersprüche ist erfolgreich; eine Zweitbegutachtung ist üblich.
Verschlechtert sich der Zustand später — nach einem Sturz, einem Schlaganfall, mit fortschreitender Demenz — stellen Sie einen Antrag auf Höherstufung. Das lohnt sich fast immer: Der Sprung von Pflegegrad 2 auf 3 bringt 252 € mehr Pflegegeld im Monat. Bei einer 24-Stunden-Pflege senkt jeder Pflegegrad den Eigenanteil entsprechend — die Rechnung finden Sie unter Kosten.
Ein Familienbetrieb
aus Osnabrück.
Seit 2009.
Wir sind ein kleines, inhabergeführtes Team. Kein Franchise, kein Callcenter — bei jedem Anruf hebt jemand ab, der Sie kennt.
Zuhause bleiben.
Liebevoll begleitet.
Wir vermitteln seit über 17 Jahren qualifizierte Pflegekräfte aus Osteuropa für die 24-Stunden-Betreuung im eigenen Zuhause — legal, verlässlich und mit persönlicher Begleitung durch unser ganzes Team.
Häufige Fragen.
Wie beantrage ich einen Pflegegrad?
Formlos bei der Pflegekasse – die ist bei der Krankenkasse angesiedelt. Ein Anruf oder ein Zweizeiler reicht; die Kasse schickt das Formular. Leistungen gelten ab dem Tag des Antrags, deshalb: erst anrufen, dann Formular ausfüllen. Der Medizinische Dienst (MD, früher MDK) meldet sich dann zur Begutachtung.
Wie lange dauert es bis zum Pflegegrad?
Die Pflegekasse muss innerhalb von 25 Arbeitstagen nach Antrag entscheiden. Bei Krankenhausaufenthalt oder Palliativsituation verkürzt sich die Frist auf eine Woche. Überschreitet die Kasse die Frist ohne Grund, zahlt sie 70 € je angefangener Woche.
Wie viele Punkte braucht man für welchen Pflegegrad?
Pflegegrad 1: 12,5 bis unter 27 Punkte. Pflegegrad 2: 27 bis unter 47,5. Pflegegrad 3: 47,5 bis unter 70. Pflegegrad 4: 70 bis unter 90. Pflegegrad 5: 90 bis 100 Punkte. Die Punkte ergeben sich aus sechs gewichteten Modulen; Selbstversorgung zählt mit 40 % am meisten.
Was tun, wenn der Pflegegrad zu niedrig ist?
Innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen und das Gutachten anfordern. Begründung nachreichen, gern mit Pflegetagebuch und ärztlichen Befunden. Etwa jeder dritte Widerspruch hat Erfolg. Verschlechtert sich der Zustand später, stellen Sie einen Antrag auf Höherstufung.
Fragen zur Pflege zu Hause? Wir beraten kostenlos.
Auch wenn Sie noch nicht wissen, ob eine 24-Stunden-Betreuung das Richtige ist.
